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KI erweitert die Möglichkeiten. Welche Zukunft wir bauen, entscheiden wir.

Eine Übersichtsstudie zur unternehmerischen Vorstellungskraft und der Bodensee Summit zeigen: KI erweitert Optionen, Verantwortung und Entscheid bleiben im Team.

MMIND.ai · 26. Oktober 2026

Dreiteiliger Comic im mmind.ai-Stil: Zwei Personen beschreiben ihre gewünschte Zukunft, prüfen KI-Alternativen am Laptop und entscheiden gemeinsam. Titel: Die Zukunft wählen wir.

MMIND.ai war am 21. Oktober am Bodensee Summit in Konstanz vertreten. Dort ging es um digitale Innovation. Trotzdem kamen die Rednerinnen und Redner immer wieder auf den Menschen zurück.

Ulf Valentin von Convidera sagte: Mitarbeitende verantworten, was sie mit KI erzeugen. Die Geschäftsleitung verantwortet, was KI im Unternehmen erzeugt. In der anschliessenden Fishbowl-Diskussion waren sich alle einig: Organisationen brauchen mehr menschliche Fähigkeiten. An unserem Tisch im World Café ging es darum, wie wir uns von KI herausfordern lassen, statt uns nur bestätigen zu lassen.

Gesprächsthema war dabei auch eine neue Übersichtsstudie im Journal of Business Venturing. Die Teilnehmenden waren sich einig: Je mehr KI in den Alltag kommt, desto mehr braucht es genau die Fähigkeit, um die es darin geht. Das Thema der Studie ist die unternehmerische Vorstellungskraft: die Fähigkeit, sich eine Zukunft vorzustellen, die es noch nicht gibt, und auf sie hinzuarbeiten.

Unsere Folgerung: KI kann die Möglichkeiten erweitern, die wir sehen. Welche Zukunft ein Unternehmen baut und wer dafür einsteht, bleibt eine menschliche Aufgabe. Am besten gelingt sie im Gespräch mit anderen.

Was die Studie untersucht

Alexander Kier, Neil Thompson, Todd Chiles und Joep Cornelissen haben die Forschung zur unternehmerischen Vorstellungskraft in führenden Fachzeitschriften ausgewertet. Von 687 Artikeln blieben 108, die das Thema ernsthaft im unternehmerischen Zusammenhang behandeln. Die Suche reicht bis 2022.

Titelseite der Studie: Kier, Thompson, Chiles und Cornelissen, Entrepreneurial imagination: A pluralistic scoping review of a sprawling literature, Journal of Business Venturing 41 (2026) 106555.

Die Studie als PDF öffnen (Englisch, frei zugänglich, Lizenz CC BY-NC-ND 4.0, unverändert).

Die Forschenden finden acht Sichtweisen auf Vorstellungskraft, von der kognitiven bis zur moralischen und zur Praxis-Sichtweise. Sie fassen sie nicht zu einem Modell zusammen. Sie zeigen, was jede Sichtweise erklärt und wo sie an Grenzen stösst.

Ein Satz ist uns besonders geblieben. Die Zukunft entsteht nach den Grundlagenwerken des Fachs «Entscheidung für Entscheidung» (S. 2). Jede Entscheidung formt die Zukunft. Die Zukunft bestimmt die Entscheidung nicht.

Vorstellungskraft gehört zur Entscheidung

Die Studie verweist auf Arbeiten von Kier und McMullen. Sie unterscheiden drei Formen der Vorstellungskraft: kreativ, sozial und praktisch. Jede Form sagte bessere Ideen für neue Unternehmen voraus. Das galt unabhängig von Vorwissen, Erfahrung und Motivation (S. 9-10).

Soziale Vorstellungskraft heisst: verstehen, wie andere Menschen denken und empfinden. Praktische Vorstellungskraft heisst: sehen, wie eine Idee in der Wirklichkeit funktioniert. Beides setzt voraus, dass du deine Kundschaft, dein Team und dein Umfeld kennst.

Ein KI-System liefert dir in einer Minute zehn Geschäftsideen. Wie eine Kundin, ein Techniker oder ein Lieferant jede dieser Ideen erleben würde, musst du dir selbst vorstellen. Oder du fragst sie.

Moralische Vorstellungskraft entsteht im Gespräch

Moralische Vorstellungskraft ist die Fähigkeit, ethische Zwickmühlen zu erkennen, Probleme neu zu fassen und verantwortungsvolle Lösungen zu entwerfen (S. 11).

Die Studie nennt eine Untersuchung von McVea aus dem Jahr 2009. Unternehmerinnen und Unternehmer stützten sich bei einem ethischen Dilemma eher auf persönliche Werte, Einfühlung und ganzheitliches Denken. Studierende eines MBA-Programms griffen eher zu analytischen, finanziell geprägten Ansätzen.

Die Forschenden halten fest: Moralische Vorstellungskraft wird wahrscheinlich nicht durch generative KI ersetzt. Sie entsteht aus gemeinsamem Handeln, geprägt von mehreren Menschen, ihren Beziehungen und den Werkzeugen, die sie nutzen (S. 17).

Das ist eine theoretische Aussage, kein gemessenes Ergebnis. Sie passt aber genau zu dem, was wir in Konstanz gehört haben: Verantwortung steckt nicht im Werkzeug.

Praktische Klugheit wächst in gemeinsamen Routinen

Die Studie beschreibt auch praktische Klugheit. Gemeint ist das Wissen, was in einer bestimmten Lage richtig ist, oft ohne dass man eine Regel benennen kann. Diese Klugheit wächst, wenn Menschen regelmässig an gemeinsamen Abläufen teilnehmen (S. 17).

Strategiesitzungen, Kundengespräche und Rückblicke sind solche Abläufe. Wenn KI alles vorbereitet und Menschen nur noch zustimmen, werden diese Abläufe dünner. Das Team verliert Gelegenheiten, gemeinsam Urteilsvermögen aufzubauen.

Die Forschenden fragen, wie Werkzeuge wie Geschäftsmodell-Raster, Haftnotizen und Zeichnungen die moralische Vorstellungskraft fördern oder bremsen (S. 18). Generative KI ist heute eines dieser Werkzeuge. Sie wird verändern, wie Teams sich gemeinsam eine Zukunft vorstellen. In welche Richtung, hängt davon ab, wie wir sie einsetzen.

Fünf Schritte für eure nächste Strategiesitzung

KI gehört nicht aus der strategischen Arbeit verbannt. Im World Café berichteten Teilnehmende von praktischem Nutzen: schnellere Recherche, bessere Struktur und Verbindungen zwischen Ideen, die vorher niemand gesehen hatte.

Die Frage ist, wo die Entscheidung bleibt. Diese fünf Schritte helfen, sie im Team zu behalten:

  1. Beschreibt die gewünschte Zukunft zuerst in eigenen Worten. Schreibt kurz auf, was ihr für Kundschaft und Mitarbeitende erreichen wollt. Erst dann fragt ihr die KI.
  2. Nutzt KI, um die Möglichkeiten zu erweitern. Fragt nach Alternativen, Gegenargumenten und Risiken. Weist das Modell an, euch zu widersprechen. Sprachmodelle neigen dazu, ihren Nutzern zu gefallen.
  3. Stellt euch die Betroffenen vor. Fragt bei jeder ernsthaften Option: Wie erlebt das eine Kundin, ein Mitarbeiter, ein Partner? Sprecht mit einigen von ihnen direkt.
  4. Entscheidet im Gespräch. Besprecht die Optionen mit den Menschen, die sie umsetzen. Haltet fest, warum ihr euch für eine Zukunft entschieden habt und gegen eine andere.
  5. Benennt die Verantwortung. Legt fest, wer das Ergebnis verantwortet, wer KI-Ergebnisse prüft und wann ihr den Entscheid überprüft.

Das kostet Zeit. In Konstanz haben mehrere Teilnehmende betont, dass das Prüfen von KI-Ergebnissen den Aufwand erhöht. Diese Zeit gehört zur Entscheidung. Sie ist kein Verlust.

Was die Studie nicht zeigt

Die Studie ist eine Übersicht über ein breites und zersplittertes Forschungsfeld. Sie prüft nicht, ob Vorstellungskraft allgemein den Unternehmenserfolg verbessert.

59 Prozent der ausgewerteten Artikel sind konzeptionell. Die Literatursuche endet 2022, also bevor generative KI breit genutzt wurde. Die Aussage zu generativer KI stammt aus der theoretischen Diskussion der Forschenden.

Die fünf Schritte sind unsere Übertragung für KMU. Sie stammen nicht aus der Studie.

Persönlicher Austausch zählt mehr denn je

Samuel Mösle vom Amt für Wirtschaft des Kantons Zürich sagte in Konstanz: Allein schafft diesen Wandel niemand. Die Studie liefert einen Grund dafür. Vorstellungskraft, besonders die moralische, entwickelt sich zwischen Menschen.

Bei EDIH.li sehen wir dafür einen grossen Bedarf. Viele Unternehmen haben Zugang zu KI-Werkzeugen. Weniger haben einen Ort, an dem sie besprechen, welche Zukunft sie bauen wollen und wer dafür einsteht.

Wenn du eine Geschäftsfrage mit uns durchdenken willst, buche ein kostenloses, unverbindliches Erstgespräch von 30 Minuten. Du brauchst dafür weder KI-Wissen noch eine fertige Projektidee.

Einordnung

Die fünf Schritte sind unsere Übertragung für KMU, sie stammen nicht aus der Studie. Seitenangaben: Methode S. 8, drei Formen der Vorstellungskraft S. 9-10, moralische Sichtweise und McVea (2009) S. 11, generative KI, gemeinsames Handeln und praktische Klugheit S. 17, Werkzeuge der Ideenentwicklung S. 18. Zitate von uns übersetzt. Aussagen vom Bodensee Summit nach unseren Notizen, eigene Fotos. Das Titelbild ist eine KI-generierte, fiktive Illustration.

Das Team von MMIND.ai

Die Fotos lassen sich seitlich durchblättern.

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Transparenz

Quellen und Grenzen

Die Übersicht kartiert die Literatur bis 2022. Die Aussage zu generativer KI ist theoretisch, kein gemessenes Ergebnis.

  1. Entrepreneurial imagination: A pluralistic scoping review of a sprawling literature - Kier, Thompson, Chiles und Cornelissen, Journal of Business Venturing 41, 106555, 2026